Die drei badenden Mädchen

Einst ging ein König mit seinem Bruder in seinem Lustgarten spazieren, der in einem schönen Walde gelegen war und in dem verschiedene Bäume und Blumen wuchsen.
Sie gingen umher und kamen an eine Quelle, neben der sich eine Schöpfkelle befand. Der König sah sie und dachte: Meines Wissens gibt es hier gar keine Quelle, und jetzt ist sie da.
Er bekam großen Durst, wollte die Kelle neh-men und trinken, aber sowie er sie fassen wollte, wich sie zurück.
Nachdem der König mehrmals versucht hatte, sie einzufangen, begann die Kelle zu sprechen: „Umsonst kriegst du nichts zu trinken, versprich mir das zu geben, was du, ohne es zu wissen, zu Hause hast.“
Der König sann eine Weile nach, doch er fand nichts, was er nicht gewußt hätte. Er versprach das zu geben, was ihm nicht bekannt sei, bekam jetzt die Kelle in die Hand und trank.
Nach dem Trinken fiel ihm plötzlich ein, daß er seinen Sohn vergessen hatte. Die Kelle sagte noch: „Morgen werde ich nach deinem Sohn kommen“, und verschwand dann mitsamt der Quelle, so daß da nicht einmal die Stelle mehr zu finden war.
Nun begriff der König, was er mit seinem Ver-sprechen angerichtet hatte, ging traurig nach Hause und zeigte sich niemandem.
Am nächsten Tage kam der Teufel, den Königs-sohn zu holen. Er packte ihn sich auf den Rücken und brachte ihn weit übers Meer an ein Flußufer. Dort setzte er ihn auf einem abgebrochenen Baum ab, wo aus einem Baumspalt ein anderer Baum wuchs, und sagte: „Wenn du etwas essen willst, dann klopfe an diesen Baum“, und verschwand darauf selber wie unter die Erde.
Drei Tage wie drei Jahre waren seit der Zeit vergangen, da der alte Teufel ihn dorthin gebracht hatte. Zu essen bekam er jedesmal, wenn er an den Baum klopfte. Doch schließlich wurde ihm das Alleinsein langweilig.
Er ging im Walde umher, weinte und beklagte sein Elend. Da erschien bei ihm ein alter Mann, der sagte:
„Sei nicht traurig, armer Junge, einmal wirst du schon noch deinem Elend entrinnen. Morgen kommen drei Mädchen hierher an den Fluß zum Baden, zwei werden ihre Kleider beisammen hin-legen, eine gesondert. Geh hin und zieh das Hemd des Mädchens an, das es gesondert hinlegt; zeige aber auf keinen Fall, daß du das Hemd anhast, wie sehr sie dich auch bitten sollten.“
Am nächsten Tag kamen die drei Mädchen dorthin, um zu baden. Zwei legten ihre Kleider zusammen hin, eine gesondert.
Der Junge ging zu der Stelle und zog das Hemd der Jungfrau an, die es gesondert hingelegt hatte.
Nach dem Baden zogen zwei ihre Hemden an, das der dritten aber war nirgends zu finden.
Sie sahen den Jungen stehen und bedrängten ihn: „Zeige doch, vielleicht hast du es an!“
Er zeigte ihnen etwas über seinem Gürtel und sah noch, wie das Mädchen das Hemd schon an-zog.
Am nächsten Tag hörte er wieder auf ihr Schmeicheln, obwohl der Alte erneut bei ihm ge-wesen war, um ihn zu ermahnen.
Am dritten Tag kam der Alte zu ihm und sagte: „Heute wird dich der Herr nach Hause holen, die drei Jungfrauen sind seine Töchter, sie werden wieder baden kommen. Zwei werden ihre Hemden zusammen hinlegen und eine gesondert. Nimm das Hemd der Jungfrau an dich, die es gesondert hinlegt, zieh es an, und wie immer sie dich bitten sollten, zeig ihnen das Hemd nicht.“
Die drei Mädchen kamen hin, zogen sich aus, zwei von ihnen legten ihre Kleider zusammen, ei-ne gesondert, und sie gingen baden.
Während sie badeten, zog der Junge das Hemd des Mädchens an, das es gesondert hingelegt hat-te, und wartete. Vom Baden zurückgekehrt, zogen zwei Mädchen ihre Hemden an, das dritte fand es nirgends.
Sie gingen zu dem Jungen, baten und schmei-chelten, er solle doch nur ein Stückchen seines Hemdes zeigen, doch der Junge zeigte es ihnen nicht.
Schließlich befreundete er sich mit den Mäd-chen, und sie gingen zusammen nach Hause. Eines der Mädchen war nicht die Tochter des Teu-fels, sondern ein Christenkind, das der Teufel ge-stohlen und in die Hölle geschleppt hatte.
Am Abend rief der Teufel den Jungen zu sich und sagte: „Drei Tage darfst du hier ohne Arbeit herumlungern, doch am Abend des dritten Tages kommst du zu mir, dann werde ich dir Arbeit ge-ben.“
Die Tage vergingen dem Jungen mit den Mäd-chen wie im Fluge, und es kam der dritte Abend. Der Junge ging zum alten Teufel, um zu hören, welche Arbeit der ihm geben werde.
„So, mit deinem Herumlungern hast du mir jetzt genug Zeit gestohlen“, sagte der Teufel barsch, „es ist an der Zeit, mit der Arbeit zu be-ginnen. Zu morgen baust du mir eine Steinbrücke über den See. Wenn die Brücke fertig ist, rufst du mich, damit ich nachsehen komme.“
Der Junge ging zu dem Christenmädchen und erzählte ihm, welche Arbeit ihm aufgegeben wor-den war.
„Du wirst die Brücke nicht fertigkriegen, bleibe hier und ruhe dich aus, ich werde hingehen und sie für dich bauen.“
Das Mädchen beendete die Brücke, kam zurück, schickte den Jungen zur Brücke und sagte: „Wenn jemand kommt, deine Arbeit zu loben, nimm den Steinbrechhammer und schleudere ihn demjeni-gen direkt ins Gesicht, geh dann schnell nach Hause und rufe den Herrn, damit er die Arbeit nachsehe.“
Der Junge ging am Morgen auf der Brücke auf und ab. Ein Mann kam heran und sagte: „Ist das aber eine schöne Brücke!“
Schwups, schleuderte ihm der Junge den gro-ßen Hammer an den Kopf, ging schnell davon und rief den Herrn herbei, damit er die Brücke entge-gennehme.
„Ach, ich weiß schon, daß sie fertig ist; mein Kopf tut mir weh, komm am Abend, dann gebe ich dir eine Arbeit auf.“
Am Abend kam der Junge, um zu hören, welche Arbeit er bekommen solle.
„Zu morgen sei der Wald geschlagen, der Rasen abgebrannt und das Bier fertig.“
Der Junge erzählte dem Mädchen, welche Arbeit er diesmal erledigen mußte.
„Du wirst diese Arbeit nicht schaffen, bleibe hier und ruhe dich aus, bis ich die Arbeit vollbracht habe.“
Das Bier war fertig, das Mädchen kam, schickte den Jungen hin und sagte: „Rühr in der Maische die Heugabel heiß, und wenn jemand kommt und deine Arbeit lobt, hau ihm zwischen die Augen und geh dann schnell den Herrn rufen, damit er die Arbeit abnehme.“
Der Junge hatte die Heugabel heißgerührt, da kam ein Mann und sagte: „Ist das ein gutes und schmackhaftes Bier!“
Schwups, schlug ihm der Junge mit der Heuga-bel zwischen die Augen und ging selbst schnell den Herrn holen, damit er die Arbeit abnehme.
„Ach, ich weiß selbst, daß sie fertig ist; ich habe Schmerzen zwischen den Augen. Komm am Abend, dann will ich dir eine Arbeit aufgeben.“
Am Abend ging der Junge, um zu hören, was es für Arbeit sei.
„Zu morgen mußt du den schwarzen Hengst einreiten!“
Er ging zu dem Mädchen und berichtete, welche Arbeit ihm jetzt aufgegeben worden sei.
„Der schwarze Hengst ist er selber, jetzt mach ein Brecheisen heiß, steck es ihm in den Hals, wirf ihm die Zügel über, nimm den Steinbrechham-mer, spring dem Hengst auf den Rücken und hau ihm auf den Kopf, immer auf den weißen Fleck. Wenn du mit dem Hengst nach Hause kommst, bring ihn in den Stall und geh den Herrn rufen, um ihm zu zeigen, daß der Hengst eingeritten ist.“
Der Junge ging und tat alles, wie es ihm das Mädchen aufgetragen hatte. Er erhitzte das Brecheisen, stopfte es dem Hengst in den Hals, warf ihm die Zügel über, ergriff den Hammer, sprang dem Hengst auf den Rücken und hämmer-te auf dessen Kopf, immer auf den weißen Fleck. So jagte er durch sieben Königreiche, ehe er nach Hause zurückkehrte. Der Junge brachte den Hengst in den Stall und rief den Herrn, er solle schnell kommen und sehen, daß der Hengst ein-geritten sei.
„Ach, ich weiß selbst, daß er eingeritten ist; mein Kopf schmerzt mich sehr. Komm am Abend, dann will ich dir eine Arbeit aufgeben!“
Der Junge ging am Abend hin, die Arbeit entge-genzunehmen.
„Zu morgen sollst du hinter vier Wegkreuzun-gen einen acht Faden langen und achteckigen Balken herholen.“
Der Junge ging zu dem Mädchen und erzählte, welche Arbeit ihm aufgetragen worden sei.
Das Mädchen gab ihm einen Krafttrunk, ehe er nach dem Balken ging, und sagte: „Jetzt geh und hole diesen Balken her! Wenn jemand kommt und lobt, hau ihm mit dem Balken auf den Kopf und rufe dann schnell den Herrn, um zu zeigen, daß der Balken geholt ist.“
Der Junge kam mit dem Balken nach Hause, da kam ein Mann und sagte: „Ist das aber ein schö-ner Balken!“
Mit großer Kraft schlug ihm der Junge den Bal-ken auf den Kopf und rief dann den Herrn, damit er sehe, daß der Balken gebracht sei.
„Ach, ich weiß schon, daß der Balken da ist, komm am Abend, dann wollen wir sehen, was weiter zu tun ist! Alle meine Aufgaben hast du zu meiner Zufriedenheit erfüllt, es ist jetzt die Zeit gekommen, daß du dir eine Frau nimmst“, sprach der Teufel ganz sanft. „Komm morgen hierher und wähle dir eine von meinen Töchtern.“
Der Junge ging zu dem Mädchen und erzählte ihm, daß jetzt das Heiraten dran sei.
„Du wirst mich sonst nicht erkennen“, sprach das Mädchen, „doch das Tuchende wird bei mir links ein wenig über das Ohr gezogen sein.“
Er ging hin, sich eine Frau zu wählen; alle Mäd-chen waren gleich gekleidet, sie gingen auf und ab, und auch die Gesichter waren so gleich, daß an ihnen nichts zu erkennen war.
„Nun, welche möchtest du?“ fragte der Teufel.
„Diese!“
„Bist du aber klug, oder hast du einen klugen Ratgeber? Geh und komm morgen wieder!“
Der Junge ging zu dem Mädchen, und dieses sagte: „Morgen wirst du mich nicht anders erken-nen können, als daß da eine Fliege versuchen wird, mir ins Auge fliegen, ich werde diese mit dem Taschentuch verjagen.“
Am nächsten Tag ging der Junge hin. Alles war genauso, man konnte keinen Unterschied finden.
„Nun, welche willst du?“
„Diese!“
„Ho, ho, bist du aber klug, oder hast du einen klugen Ratgeber? Geh und komm morgen wie-der!“
Der Junge ging zu dem Mädchen, und dieses sagte: „Anders wirst du mich nicht erkennen, ich werde den Hacken des linken Fußes etwas schief halten.“
Er ging wieder hin, sich eine Frau zu wählen, al-le waren sie gleich und von gleicher Größe, wie mit dem Stock gemessen.
„Nun, welche willst du?“ fragte der Teufel.
„Diese!“
„Ho, ho, bist du klug, oder hast du einen klugen Ratgeber? Geh nur, wir wollen sehen, was wir jetzt tun werden.“
Er ging zu dem Mädchen, und dieses sagte: „Jetzt bleibt uns nichts mehr übrig, wir müssen flüchten; er will uns nun auf alle Fälle vernichten.“
Am nächsten Tag in der Frühe nahm das Mäd-chen sein Taschentuch, spuckte hinein, band es zum Knoten, warf es hin, und gleich darauf flüch-teten sie beide.
Der alte Teufel ließ drei Tage lang die Badestu-be heizen und ging dann hin, um die beiden zum Quasten zu rufen. Die Spucke antwortete ihm wie ein Mensch. Er ließ weitere drei Tage die Badestu-be heizen und ging wieder, um sie zum Quasten zu rufen. Die Spucke sprach genauso wie vorher.
Jetzt ahnte er, daß sie gespuckt hatte und daß es die Spucke war, die sprach. Sofort schickte er einen Knecht den Fliehenden nach.
Das Mädchen spürte, daß sie verfolgt wurden, und sagte: „Wir werden verfolgt, sei du eine Schweineherde und ich der Schweinehirt.“
Der Knecht ging nach Hause und sprach: „Es ist nichts anderes zu sehen, nur eine Schweineherde und ein Schweinehirt.“
„Du Dummkopf, das waren sie selbst, hättest du doch den Hirten oder die Herde genommen, dann hätten wir sie beide in unseren Händen ge-habt!“
Er befahl, diesen Knecht drei Tage und Nächte zu strafen, und schickte einen anderen Knecht den Fliehenden nach.
Das Mädchen spürte, daß sie verfolgt wurden, und sagte: „Wir werden verfolgt, sei du der Pflü-ger und ich der Ochse!“
Der Knecht ging zurück nach Hause und berich-tete, daß er nichts gesehen habe außer einem Ochsen und einem Pflüger.
„Du Dummkopf, das waren sie selbst, hättest du doch den Pflüger oder den Ochsen genommen, dann würden wir sie beide in den Händen haben!“
Er befahl sodann, diesen Knecht sechs Tage und sechs Nächte zu strafen, und ging selbst, die Fliehenden zu verfolgen. Viele Werst weit war das Dröhnen der Erde und das Stampfen seines Kommens zu hören.
„Jetzt kommt er selbst, um uns einzuholen“, sagte das Mädchen. „Ich werde der See sein und du die Ente.“
Der alte Teufel kam an das Seeufer, sah die En-te und sprang sofort in den See, um sie zu fan-gen. Nun tobte er im See herum, um die Ente zu fangen. Indessen fielen die Seeufer immer mehr zusammen, sie fielen, solange noch ein Faden Land zwischen ihnen war, dann schlugen die See-ufer plötzlich zusammen, und mit dem alten Teu-fel war es aus.
Sie gelangten jetzt in die Stadt, in der der Vater des Jungen lebte. Hier blieb das Mädchen in der Stadt zurück, und der Junge ging, seinen Vater zu begrüßen. Vorher aber prägte ihm das Mädchen ein: „Wenn du in das Haus deines Vaters gehst, so küsse keinen!“
Im Hause des Vaters begrüßte er seine Eltern und Freunde, aber er küßte keinen. Das bemerk-ten alle, doch sie wagten ihm nichts zu sagen.
Am Abend legte man ihn zu seinem kleinen Bruder schlafen, und er gab ihm den Gutenacht-kuß. Am nächsten Morgen erinnerte er sich über-haupt nicht mehr an seine Tage der Not und an seine Braut.
Es war einige Zeit vergangen, und es wurde ihm eine neue Braut gewählt. Am Hochzeitstag kamen Menschen von nah und fern zusammen, und mit ihnen erschien auch seine alte Braut. So-bald er sie sah, erinnerte er sich der vergangenen schweren Tage, wie er in der Hölle war und wie sie mit ihm schließlich von dort geflohen war.
„Du hast mich wohl vergessen und dir eine an-dere Braut gewählt, doch das tut nichts. Wenn wir an der Tafel sitzen, mußt du fragen, was besser ist, ein alter goldener Ring oder ein neuer Silber-ring.“
An der Tafel saß er zwischen zwei Bräuten und fragte die Gäste: „Was ist besser, ein alter golde-ner Ring oder ein neuer Silberring?“
„Ein alter Goldring ist besser als ein neuer Sil-berring“, antworteten die Gäste.
Er zeigte jetzt seinen alten Goldring und erzähl-te, wie er ihn bekommen, verloren und wiederge-funden hatte.

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