Der Bauer Paalak und der Knecht Fuchs

Zur Zeit der Fronbauern lebte ein sehr armer Bauer namens Paalak. Er hatte einen Knecht, der Fuchs hieß und ebenso schlau war wie ein echter Fuchs. Der Bauer gab ihm einen Sack voll Verpflegung mit und schickte ihn für den ganzen Tag zur Arbeit.
Der Knecht ging in den Wald, schlief den ganzen Tag, aß das mitgebrachte Essen auf und kam am Abend nach Hause.
Am nächsten Morgen wurde nach dem Bauern geschickt, er solle aufs Gut kommen. Dort wurde er verprügelt und dann gefragt: „Warum hast du deinen Knecht nicht zur Arbeit geschickt?“
Der Mann entschuldigte sich: „Ich habe den Knecht geschickt, aber wenn er nicht zur Arbeit gekommen ist, hat er sicherlich irgendwo geschlafen.“
„Sieh zu, daß du den Knecht zur Arbeit schickst!“ wurde er auf dem Gut verwarnt.
Der Mann kam nach Hause, legte wieder Essen in einen Sack und schickte den Knecht unter strengen Verwarnungen zur Arbeit.
Der Knecht schlief wieder den ganzen Tag, aß auf, was ihm mitgegeben wurde, und kam nach Hause.
Am nächsten Tag wurde der Bauer wieder auf den Gutshof geholt. Der Bauer begriff, daß der Knecht wieder nicht zur Arbeit gewesen war. Auf dem Gut bekam der Bauer erneut Prügel. Obwohl er behauptete: „Ich habe den Knecht geschickt“, half es ihm doch nichts. Nun wurde er ganz streng verwarnt, den Knecht ja zur Arbeit zu schicken.
Der Mann kam nach Hause, bat und drohte dem Knecht, um ihn zu bewegen, zur Arbeit zu gehen. Doch der machte es am dritten Tag genauso wie an den vorangegangenen Tagen.
Der Bauer bekam wieder das Fell vollgehauen.
Was sollte er jetzt tun?! Lebensmittel mußten in die Stadt gebracht werden; fährt er selbst in die Stadt, geht der Knecht wieder nicht zur Arbeit. So schickte er den Knecht mit den Lebensmitteln in die Stadt und ging selbst zur Arbeit.
Na schön, der Knecht Fuchs lieferte die Le-bensmittel ab und verkaufte daraufhin das Pferd samt dem Wagen.
Die anderen versuchten ihn zurückzuhalten: „Bist du blind, was tust du? Dieser arme Mann hat ja nicht noch mehr Pferde und Wagen, und du verkaufst diese.“
Doch er kümmerte sich nicht darum.
Nun ja, die anderen fuhren nach Hause, er blieb in der Stadt. Er ging zum Haus des Königs und bat den Diener um ein Maß.
Der Diener fragte: „Wozu brauchst du es?“
Der Knecht antwortete: „Mein Herr will sein Maß nach dem des Königs stempeln.“
Man gab ihm ein kupfernes Maß.
Der Fuchs ging und kam nach drei Tagen wie-der; er hatte aber auf den Maßboden zwischen Boden und Seitenwand ein Silberstück gelegt.
Der König schaute nach, sah das Silbergeld und fragte: „Was hat dein Herr gemessen?“
Der Knecht entgegnete: „Woher soll ich das wissen!“
Der König: „Ist dein Herr reich?“
Der Knecht: „Was soll ich sagen, er ist recht wohlhabend!“
Der König: „Hat er auch Geld? Vielleicht hat er Geld gemessen?“
Der Knecht: „Woher soll ich es wissen, was er gemessen hat! Geld hat er sehr viel. Sein Geldkel-ler reicht für viele Scheffel.“
Der König: „Oh, mit diesem Mann muß ich mich treffen und mich mit ihm unterhalten. Sag ihm, er soll zu mir kommen!“
Der König gab dem Knecht auch einen Brief mit.
Fuchs ging nach Hause.
Der Bauer kam ihm traurig entgegen und fragte: „Wo sind das Pferd und der Wagen?“
Der Knecht antwortete: „Ich habe sie verkauft.“
Der Bauer: „Wo ist das Geld?“
Der Knecht: „Was fragst du nach dem Geld, du wirst es bekommen. Mach dich schnell fertig, und dann gehen wir zum König.“
Jetzt gab er dem Bauern den Brief des Königs. Der Bauer schaute nach: Es stimmt, er soll sofort zum König kommen, und der Brief trägt die Unterschrift des Königs. Da darf man sich nicht weigern. O Jammer! Bin schon dreimal wegen des Knechts auf dem Gut verprügelt worden, nun hat er das Pferd und den Wagen verkauft, und wer weiß, was noch beim König zu erwarten ist.
Fuchs war natürlich der Begleiter auf dem Wege zum König. Am Wegrande, kurz vor der Stadt, floß ein kleiner schmutziger Bach.
Als sie über diesen Bach gingen, stieß der Knecht den Bauern hinein. Paalak kletterte heraus, doch seine alten zerrissenen Kleider waren wie bei einem Bettler mit Schmutz und Unrat be-deckt, so daß er fürchterlich aussah.
Nun sagte der Knecht zu ihm: „Bleib hier stehen, geh nicht weg, bis ich zurückkomme.“
Paalak blieb stehen und wartete. Fuchs ging zum König.
Der König fragte: „Wo ist dein Herr?“
Der Knecht sagte: „Der Herr hatte Pech, als er über einen Bach ging – er ist hineingefallen und kann jetzt nicht zum König kommen.“
Der König: „Bring ihm meine Kleider hin.“
Er befahl, einige Kleider zu bringen.
Fuchs schaute sie sich an und sagte: „So schäbige Kleider trägt mein Herr nicht.“
Es wurden andere Kleider gebracht.
Fuchs sagte: „Diese Kleider wage ich auch nicht meinem Herrn zu bringen, er hat immer bessere gehabt.“
Dann wurden ganz teure Kleider aus reinem Purpur und aus Seide gebracht.
„Nun, in diesen Kleidern könnte mein Herr not-falls noch kommen.“
Fuchs ging mit den Kleidern zum Bauern, half ihm, die alten Lumpen auszuziehen und die königlichen Kleider anzuziehen. Nun machten sie sich auf den Weg zum König.
Fuchs belehrte den Bauern: „Wenn vielleicht zum Essen gebeten wird und man sich unterhält, so sage stets ‚ja’, ‚ja’, immer nur ‚ja’.“
Jetzt hörte der Bauer zum ersten Mal ange-nehme Worte, nämlich, daß vielleicht zum Essen gebeten werde.
Nun kamen sie zum König. Der König empfing sie freundlich, bat sie, auf einem Sofa Platz zu nehmen, und ließ Speisen auftragen. Er selbst setzte sich neben Paalak; seine Frau und seine Tochter setzten sich ihm gegenüber. Mit den fei-nen Eßbestecken verstand der Mann nicht gut umzugehen und half zuweilen mit seiner eigenen Fünf-Finger-Gabel nach.
Der König sprach vom Reichtum und Besitz und fragte: „Hast du auch eine große Herde?“
Der Mann entgegnete: „Ja, ja!“
Schließlich fragte der König: „Bist du noch Junggeselle?“
Paalak: „Ja, ja!“
Der König: „Vielleicht nimmst du dann meine Tochter zur Frau?“
Was sollte Paalak jetzt antworten? Er hatte ja Frau und Kind zu Hause. Da schaute er sich nach dem Fuchs um, der als Diener mit im Schloß war.
Paalak fragte Fuchs um Rat, der sagte: „Jetzt läuft die Sache richtig. Sag ‚ja, ja’.“
Paalak ging zurück und sagte auch „Ja, ja!“
Was jetzt? Er sollte sich verloben. Es wurde der Pastor geholt, und die Verlobung fand statt. Dann folgte sehr bald die Hochzeit. Alle Generale und Würdenträger kamen zur Hochzeit, um den Schwiegersohn des Königs zu sehen, der der reichste Mann im Land sein sollte.
Die Hochzeit wurde drei Wochen gefeiert.
Als die Festlichkeiten vorüber waren, sagte Fuchs: „Hier wurde die Hochzeit drei Wochen gefeiert, im Hause des Bräutigams wird sie sechs Wochen gefeiert werden.“
Es wurde alles zur Abfahrt vorbereitet. Fuchs bekam ein Pferd, er sollte allen vorausreiten. Hin-ter ihm her fuhr eine Kutsche, dann folgte der König mit seiner Frau, und hinter ihnen in der dritten Kutsche saß das junge Paar – insgesamt waren es zwölf Kutschen, und auch Soldaten folgten ihnen.
Fuchs ritt schnell, um den anderen voraus zu sein. Am Wegrand sah er eine riesengroße Herde sehr schöner Tiere.
Fuchs fragt: „Wessen Herde ist das?“
„Sie gehört den Teufeln“, antworteten die Hir-ten.
Fuchs sagt: „Hinter mir kommt der König mit seinem Heer. Sagt nicht, daß die Herde den Teufeln gehört, sonst nimmt man euch alle Tiere weg. Sagt, sie gehöre Paalak, dann rührt euch keiner an.“
Fuchs ritt schleunigst weiter.
Der Hochzeitszug näherte sich der Herde. Der König ließ die Pferde halten und den Diener fra-gen: „Wem gehört die Herde?“
„Dem Herrn Paalak“, sagten die Hirten.
Der König und alle anderen freuten sich dar-über. Paalaks Herz hüpfte vor Freude.
Fuchs sieht, am Wegrand weidet eine Herde sehr teurer Pferde. Er fragt: „Wem gehören die Pferde?“
Die Pferdehirten antworten: „Den Teufeln.“
Fuchs sagt: „Hütet euch, das zu sagen! Hinter mir kommt der König mit einem großen Heer. Wenn ihr das sagt, nimmt man euch alle Pferde weg. Sagt: ‚Sie gehören Paalak.’ Dann rührt euch keiner an.“
Fuchs ritt weiter. Als der König mit den Hochzeitsgästen bei der Pferdeherde anlangte, ließ er halten und fragte: „Wessen Pferde sind das?“
„Des Herrn Paalak“, antworteten die Wächter.
Nun war die Freude bei allen sehr groß!
Die Fahrt ging weiter.
Fuchs jagte mit Windeseile voraus in die Stadt der Teufel. Der Torwächter fragte: „Wohin stürmst du so, Fuchs?“
Japsend und nach Luft ringend, keuchte der: „Es kommen – es kommen – es kommen – fünf-hundert weiße – Wölfe – sie kommen! Flüchtet!“
Der Wächter rannte schnell die anderen ver-ständigen, daß fünfhundert weiße Wölfe kommen. Fuchs, der gute Mann, habe sie verständigt.
Alle liefen zusammen, um gemeinsam zu flüch-ten. Die Stadt wurde ganz leer. Fuchs sah: Nur der einäugige Wächter des Geldkellers stand noch auf seinem Posten, die Schlüssel in der Hand.
Fuchs sagte zu ihm: „Flüchte, flüchte! Willst du dich allein auffressen lassen? Alle anderen sind schon geflohen. Wirf den Schlüssel des Geldkel-lers her!“
Der Wächter warf den Schlüssel Fuchs zu und machte sich selbst aus dem Staube, den anderen nach.
Der Hochzeitszug kam an. In der Stadt gab es reichlich von allem, denn die Teufel hatten alles zurückgelassen. Die Hochzeit wurde sechs Wochen lang gefeiert. Der König und seine Frau wollten den Goldkeller besichtigen und baten Paalak, ihn zu zeigen.
Paalak sagte zum Fuchs: „Was sollen wir jetzt tun?“
Fuchs entgegnete: „Es macht doch nichts – alles ist in Ordnung. Ruf sie, wir zeigen den Keller. Kommt!“
Sie folgten alle Fuchs. Der ließ die Tür vom Goldkeller öffnen.
Oh, diese Menge Geld! Alle Kästen voll. Vorne standen Kästen mit Kupfergeld, dann folgten welche mit Silbergeld und dann Kästen mit Goldgeld – sie waren sogar aufeinandergestapelt. Und um sie herum brannten Kerzen. Oh, dieser Reichtum! Nun, nicht einmal ein Drittel davon hätte man mit dem Maß messen können, das der König Fuchs gegeben hatte, um das Geld seines Herrn zu messen.
Der König freute sich, daß er einen so reichen Schwiegersohn bekommen hatte. Er hoffte, im Notfall von Paalak borgen zu können.
Nach sechs Wochen begaben sich alle nach Hause. Nur das junge Paar blieb in der Stadt wohnen. Die Teufel wagten es nicht mehr, in ihre Stadt zu kommen und nicht einmal in ihre Richtung zu schauen, denn sie fürchteten, daß die Wölfe kommen und sie zerreißen würden.
Alles wäre gut, doch was wurde aus der Frau Paalaks und den Kindern?
Fuchs sagte: „Du kannst sie auch hierherholen. Deine Frau kann als Köchin hier wohnen. Du kannst doch beide ernähren.“
So ging Paalak, um seine Frau und die Kinder zu holen. Er verbot ihnen, jemals zu sagen, wer sie seien, und brachte sie in seine Stadt.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.

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